Der Vatertag riecht nach Holzkohle, kaltem Bier und dem ersten richtigen Grilltag des Jahres. Mitte Mai zeigt sich der Frühling von seiner besten Seite: Die Temperaturen klettern, die Gärten erwachen, und irgendwo läuft bereits der erste Gasgrill an. Kein Wunder, dass der Vatertag in Deutschland seit Jahrzehnten als inoffizieller Auftakt zur Grillsaison gilt. Und wenn es um das perfekte Stück Fleisch für diesen Tag geht, führt kaum ein Weg am Nackensteak vorbei – saftig, durchwachsen, charaktervoll.
Viele Hobbygrillmeister wissen nicht, dass der entscheidende Unterschied zwischen einem zähen und einem zartschmelzenden Nackensteak nicht in der Hitze des Grills liegt, sondern darin, was 30 Minuten vorher passiert. Johann Lafer, einer der bekanntesten deutschen Köche, schwört auf eine Technik, die so simpel wie wirkungsvoll ist – und die er in seiner Küche konsequent anwendet. Wer diesen Handgriff einmal verstanden hat, grillt nie wieder anders.
| Vorbereitung | 35 min (inkl. Salzruhe) |
| Grillzeit | 10–12 min |
| Ruhezeit | 5 min |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Mittel |
| Kosten | €€ |
| Saison | Frühling · Grill-Saison · Vatertag |
Geeignet für: Reichhaltig an Proteinen · Glutenfrei
Zutaten
- 4 Nackensteaks vom Schwein, je ca. 200–220 g, Stärke mind. 2 cm
- 2 TL grobes Meersalz (kein Jodsalz, kein feines Tafelsalz)
- 2 TL frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
- 3 EL neutrales Pflanzenöl (z. B. Rapsöl oder Sonnenblumenöl)
- 4 Zweige frischer Rosmarin
- 2 Zehen Knoblauch, leicht angedrückt
- 1 TL geräuchertes Paprikapulver
- Abrieb von 1 unbehandelten Zitrone (optional, für Frische)
Utensilien
- Holzkohlengrill oder Gasgrill mit Deckel
- Grillzange (keine Gabel – kein Einstechen!)
- Großes Schneidebrett
- Küchenpapier
- Schüssel oder flaches Tablett zum Marinieren
- Grillthermometer (empfohlen)
- Alufolie zum Ruhen
Zubereitung
1. Das Salzen – der entscheidende Schritt 30 Minuten vor dem Grill
Die Nackensteaks aus dem Kühlschrank nehmen und mit Küchenpapier trocken tupfen – Feuchtigkeit auf der Oberfläche ist der Feind einer guten Kruste. Jetzt das grobe Meersalz gleichmäßig auf beiden Seiten auftragen und leicht andrücken. Dann – und das ist der Kern der Lafer-Methode – das Fleisch offen auf einem Tablett bei Raumtemperatur liegen lassen, mindestens 30 Minuten, besser 40. Was zunächst nach dem Gegenteil klingt: Das Salz entzieht in den ersten Minuten zwar Feuchtigkeit an der Oberfläche (Osmose), doch nach etwa 15 bis 20 Minuten wird diese Flüssigkeit, nun salzhaltig und mit gelösten Proteinen angereichert, vom Fleisch wieder aufgesogen. Das Ergebnis ist ein Steak, das von innen heraus gewürzt ist – nicht nur an der Oberfläche. Gleichzeitig entspannt sich das Fleisch auf Raumtemperatur, was eine gleichmäßigere Garung garantiert.
2. Die Würzmischung anrühren
Während das Fleisch rastet, das Öl mit dem geräucherten Paprikapulver, dem frisch gemahlenen Pfeffer und dem Zitronenabrieb verrühren. Die Rosmarinzweige und den angedrückten Knoblauch hinzugeben und kurz ziehen lassen. Diese Mischung entwickelt in wenigen Minuten ein intensives, leicht rauchiges Aroma, das dem Nackensteak eine aromatische Tiefe gibt, ohne die Fleischnoten zu überdecken. Pfeffer sollte nicht vor dem Salzen aufgetragen werden, da er auf dem Grill verbrennt und bitter wird. Stattdessen sollte Pfeffer immer als Teil dieser Ölmischung aufgetragen werden, welche das Verbrennen verlangsamt.
3. Den Grill vorbereiten – direkte und indirekte Zone
Den Grill auf hohe Hitze bringen: bei Holzkohle die Glut verteilen, sodass eine Seite des Rosts frei bleibt – das ist die indirekte Zone. Bei einem Gasgrill einen Brenner auf Maximum, den zweiten auf niedrige Stufe. Die Rosttemperatur sollte beim Auflegen bei mindestens 230–250 °C liegen. Ein sauberer, heißer Rost ist keine Frage der Ästhetik: Er verhindert, dass das Fleisch klebt, und sorgt für das charakteristische Branding – die dunklen Grillstreifen, die nicht nur optisch überzeugen, sondern als Zeichen der Maillard-Reaktion für Röstaromen stehen.
4. Die Steaks einölen und auflegen
Nach der Salzruhe die Nackensteaks mit der Ölmischung einpinseln oder einreiben, die Rosmarinzweige und den Knoblauch kurz abstreifen. Dann die Steaks auf die heiße, direkte Zone legen – ohne zu drücken, ohne zu bewegen. 3–4 Minuten liegen lassen, bis sich das Fleisch von selbst vom Rost löst; wer zieht und Widerstand spürt, lässt es einfach noch 30 Sekunden länger. Dann wenden und erneut 3–4 Minuten grillen. Wer Grillstreifen im Rautenmuster möchte, dreht das Steak nach 2 Minuten um 90 Grad, bevor es gewendet wird.
5. Kerntemperatur prüfen und indirekt nachgaren
Nach dem Wenden die Steaks auf die indirekte Zone verschieben und den Deckel schließen. Ziel ist eine Kerntemperatur von 68–72 °C für ein saftiges, durchgegaartes Nackensteak. Das Grillthermometer in die dickste Stelle stechen, ohne den Knochen zu berühren – falls das Steak noch Knochenteil hat. Bei einer Stärke von 2 cm reichen meist weitere 3–4 Minuten auf der indirekten Zone. Das Nackensteak verträgt im Gegensatz zu einem Rindersteak mehr Kerntemperatur, ohne auszutrocknen – das Fett und die Bindegewebsanteile halten die Saftigkeit.
6. Ruhen lassen – das oft vergessene Finale
Die fertigen Steaks vom Grill nehmen und 5 Minuten unter locker gelegter Alufolie ruhen lassen. Während dieser Zeit verteilen sich die Fleischsäfte, die sich durch die Hitze zur Mitte hin zurückgezogen haben, wieder gleichmäßig im gesamten Steak. Wer diesen Schritt überspringt und sofort anschneidet, sieht, wie der Fleischsaft auf das Brett läuft – und das Steak trocken zurückbleibt. Fünf Minuten Geduld machen den Unterschied zwischen einem guten und einem sehr guten Steak.
Der Profi-Tipp
Johann Lafer empfiehlt, nicht nur das Salz, sondern auch das Fleisch selbst ernst zu nehmen: Ein Nackensteak vom regionalen Metzger, aus artgerechter Haltung und mit ausreichend Fettmarmorierung, braucht keine komplizierte Marinade. Wer im Frühling auf dem Wochenmarkt kauft, findet oft Schweinefleisch aus Freilandhaltung, das aromatisch deutlich intensiver ist als Ware aus dem Supermarktregal. Das grobe Meersalz dabei nie durch feines Tafelsalz ersetzen – die Körnung ist entscheidend, damit das Salz langsam einwirkt und nicht sofort auflöst. Und: Den Pfeffer immer erst nach dem Salzen, eingebettet im Öl, auftragen.
Getränkebegleitung
Zum Nackensteak vom Grill sucht man kein feines Weinglas – man sucht etwas, das mit der Rauchnote mithalten kann und den Fettgehalt des Fleisches angenehm schneidet.
Ein gut gekühltes Kellerbier oder ein naturtrübes Zwickelbier aus einer regionalen Brauerei sind die klassischen Begleiter, die seit Jahrzehnten zum Vatertag gehören. Wer Wein bevorzugt: Ein kräftiger Dornfelder aus der Pfalz oder ein leicht gekühlter Trollinger aus Württemberg harmonieren mit dem Raucharoma und dem saftigen Fleisch. Eine alkoholfreie Alternative ist ein selbst angerührtes Holunderblüten-Schorle mit frischer Minze – der Frühling im Glas, der die Fettigkeit des Steaks wunderbar ausbalanciert.
Wissenswertes rund ums Nackensteak
Das Nackensteak – auch Schweinenacken oder Kamm genannt – stammt aus dem vorderen Rückenbereich des Schweins, unmittelbar hinter dem Kopf. Dieses Teilstück ist stärker durchwachsen als das Kotelett, was ihm im Gegensatz zu magerem Fleisch eine natürliche Saftigkeit verleiht, die auch bei höheren Temperaturen erhalten bleibt. Deshalb gilt es seit Jahrzehnten als das Grill-Steak für Hobbyköche: Es verzeiht kleine Fehler, die einem Rinderfilet das Aus bedeuten würden.
In Südosteuropa, vor allem in Serbien und Kroatien, gilt der gegrillte Schweinenacken als Nationalstolz – dort Vrat genannt, oft mit nichts weiter als Salz und Paprika gewürzt. In Deutschland hat das Nackensteak seine Hochsaison am Vatertag und während der gesamten Frühlings- und Sommermonate. Die Technik des Vorsalzens ist keine Erfindung der modernen Kochstars: Sie war in bäuerlichen Küchen lange bekannt, bevor die Molekularküche ihr eine wissenschaftliche Erklärung gab.
Nährwerte (pro Portion, ca. 210 g gegrilltes Steak, Näherungswerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~390 kcal |
| Eiweiß | ~38 g |
| Kohlenhydrate | ~1 g |
| davon Zucker | ~0 g |
| Fett | ~26 g |
| Ballaststoffe | ~0 g |
Häufig gestellte Fragen
Warum salzt Johann Lafer das Nackensteak genau 30 Minuten vorher – und nicht direkt vor dem Grillen?
Direkt vor dem Grillen gesalzenes Fleisch verliert in den ersten Minuten Feuchtigkeit an die Oberfläche, ohne dass diese wieder aufgesogen werden kann – das Steak grillt dann auf einer feuchten Schicht, was das Bräunen erschwert. Nach etwa 15 bis 20 Minuten kehrt der Prozess um: Das Fleisch saugt die salzige Flüssigkeit wieder auf. Nach 30 Minuten ist dieser Austausch abgeschlossen, die Oberfläche wieder trocken – und das Fleisch ist von innen gewürzt. Das Ergebnis ist eine bessere Kruste und ein gleichmäßiger gewürztes Steak.
Kann ich das Nackensteak auch über Nacht einlegen?
Ja, aber dann mit deutlich weniger Salz – eine Trockenmarinade über Nacht im Kühlschrank funktioniert, zieht aber das Fleisch bei zu viel Salz aus und macht es fest. Wer über Nacht mariniert, verwendet besser eine Ölmarinade mit Kräutern und gibt das Salz erst unmittelbar vor dem Grillen oder nach der 30-Minuten-Methode dazu. Das Fleisch dabei unbedingt abgedeckt im Kühlschrank lagern.
Welche Stärke sollte das Nackensteak haben?
Mindestens 2 cm, besser 2,5 cm. Dünner geschnittene Steaks garen auf dem Grill so schnell durch, dass kaum Zeit für eine ordentliche Kruste bleibt. Ein dickeres Steak lässt sich außen scharf angrillen und innen schonend auf der indirekten Zone fertiggaren – das ist der Kern des sogenannten Zwei-Zonen-Grillens.
Wie erkenne ich, dass das Nackensteak gar ist, ohne Thermometer?
Der klassische Drucktest: Mit dem Zeigefinger leicht auf das Fleisch drücken. Fühlt es sich weich und nachgiebig an wie der Daumenballen bei entspannter Hand, ist es noch roh. Bietet es einen mittleren Widerstand – ähnlich wie wenn Daumen und Mittelfinger zusammengehalten werden – ist es durchgegart. Beim Nackensteak ist ein leichter Widerstand mit minimal federnder Textur das Ziel. Ein Thermometer bleibt dennoch die sicherste Methode.
Kann ich Nackensteak auch auf einem Elektrogrill oder einer Grillpfanne zubereiten?
Durchaus. Die 30-Minuten-Salzmethode funktioniert unabhängig vom Gerät. Eine gusseiserne Grillpfanne auf höchster Stufe vorheizen, bis sie leicht raucht, dann das Steak einlegen. Die Rauchnote fehlt, aber die Maillard-Reaktion und damit die Röstaromen entstehen genauso. Wer einen Elektrogrill nutzt, sollte darauf achten, dass die Heizelemente wirklich heiß sind – lauwarm gegarte Steaks bilden keine Kruste.



