Pfingsten steht vor der Tür, die Gärten erwachen, und auf den Wochenmärkten türmen sich die ersten dicken Rhabarberstangen — leuchtend rot, fest und leicht säuerlich duftend. Genau jetzt, Ende Mai, ist der Moment, diesen zuverlässigen Frühlingsboten in einen Sirup zu verwandeln, der einer großen Bowle erst Charakter gibt. In zwanzig Minuten am Herd entsteht ein intensiv gefärbter, aromatisch-saurer Sirup, der im Kühlschrank volle vier Wochen hält und damit weit über das Pfingstwochenende hinaus trägt.
Dieser Sirup ist kein einfacher Zuckerausug: Er verbindet die natürliche Herbe des Rhabarbers mit einer milden Süße und lässt sich auf viele Arten einsetzen — als Basis für eine klassische Pfingstbowle mit Sekt, als Spritzer mit Mineralwasser, als Untermalung eines Aperols oder pur über Vanilleeis. Wer den Sirup einmal selbst gekocht hat, kauft die aromatisch flachen Industrieversionen nicht mehr. Schürze umgebunden, Topf bereit.
| Zubereitung | 10 Min. |
| Kochen | 10 Min. |
| Abkühlen | 30 Min. |
| Ergibt | ca. 500 ml Sirup |
| Schwierigkeit | Leicht |
| Kosten | € |
| Saison | Rhabarber (April–Juni) |
Geeignet für: Vegan · Vegetarisch · Glutenfrei · Laktosefrei
Zutaten
- 500 g frischer Rhabarber (möglichst rot-gestielt für intensive Farbe)
- 300 g Zucker (weißer Haushaltszucker für klare Farbe)
- 250 ml Wasser
- 1 Bio-Zitrone, Saft und ein Streifen Schale
- 1 kleines Stück frischer Ingwer (~2 cm, optional, für Würze)
- 1 Vanilleschote (optional, nur das Mark)
Utensilien
- Schneidebrett und Messer
- Mittlerer Kochtopf (ca. 2 Liter)
- Holzlöffel oder Teigschaber
- Feinmaschiges Sieb oder Passiertuch
- Großer Messbecher oder Schüssel zum Auffangen
- Sterilisierte Glasflasche(n) mit Schraubverschluss, mind. 500 ml
- Trichter (empfohlen)
Zubereitung
1. Rhabarber vorbereiten
Den Rhabarber unter kaltem Wasser gründlich abwaschen und trocken tupfen. Die holzigen Enden und eventuelle Blätter großzügig abschneiden — Rhabarberblätter sind aufgrund ihres hohen Oxalsäuregehalts nicht zum Verzehr geeignet und gehören in den Kompost. Die Stangen in Stücke von etwa zwei bis drei Zentimetern schneiden; eine allzu feine Zerkleinerung ist nicht nötig, da der Rhabarber im Topf ohnehin vollständig zerfällt. Wer besonders rote Stangen erwischt, darf sich über einen tief rosafarbenen bis rubinroten Sirup freuen — grünstielige Sorten ergeben einen eher gelblich-trüben Sirup, der geschmacklich gleichwertig, aber optisch weniger beeindruckend ist.
2. Sirupbasis ansetzen
Zucker und Wasser gemeinsam in den Topf geben und bei mittlerer Hitze unter gelegentlichem Rühren erhitzen, bis sich der Zucker vollständig aufgelöst hat. Sobald die Flüssigkeit klar wird und erste Dampffäden aufsteigen, den Rhabarber hineingeben. Jetzt den Zitronensaft und den Schalenstreifen zufügen — die Säure der Zitrone dient nicht nur dem Aroma, sondern schützt die leuchtende Farbe des Sirups und verlängert die Haltbarkeit durch Absenkung des pH-Werts. Den Ingwer, wenn verwendet, dünn schälen und in Scheiben direkt in den Topf geben. Alles einmal kurz umrühren.
3. Köcheln und Farbe ziehen lassen
Den Topf bei mittlerer bis niedriger Hitze 8 bis 10 Minuten köcheln lassen — kein aggressives Sprudeln, sondern ein ruhiges Frémissement, also ein leises Zittern der Oberfläche. Der Rhabarber zerfällt nach wenigen Minuten zu Fasern und gibt seine Säfte vollständig ab; die Flüssigkeit färbt sich dabei intensiv ein. Mit einem Löffel gelegentlich drücken, um das Austreten der Farb- und Aromastoffe zu beschleunigen. Nach spätestens zehn Minuten ist die Basis fertig — längeres Kochen bringt keinen Gewinn und kann einen leicht bitterlichen Ton entwickeln.
4. Sirup abseihen
Den Topf vom Herd nehmen und etwas abkühlen lassen. Dann den gesamten Inhalt durch ein feinmaschiges Sieb über einen großen Messbecher oder eine Schüssel gießen. Das Fruchtmark mit einem Löffelrücken behutsam gegen das Sieb drücken, um so viel Flüssigkeit wie möglich herauszubekommen — aber nicht zu heftig rühren, sonst trübt der Sirup ein. Wer einen besonders klaren Sirup möchte, legt ein Passiertuch oder einen Kaffeefilter ins Sieb. Ingwer, Zitronenschale und Rhabarbermark werden anschließend verworfen oder lassen sich zu einem schnellen Kompott weiterverarbeiten.
5. Abfüllen und konservieren
Den noch warmen Sirup durch einen Trichter in die zuvor mit kochendem Wasser sterilisierte Glasflasche füllen und sofort fest verschließen. Das Verschließen im warmen Zustand erzeugt beim Abkühlen einen leichten Unterdruck, der die Haltbarkeit zusätzlich unterstützt. Die Flasche vollständig auskühlen lassen, bevor sie in den Kühlschrank wandert. Richtig abgefüllt und kühl gelagert hält der Sirup problemlos vier Wochen.
Mein Küchentipp
Für die Pfingstbowle den Sirup nicht direkt in den Krug schütten, sondern zunächst mit etwas kaltem Wasser oder Sekt in einem kleinen Glas testen, um das Verhältnis zu bestimmen — je nach Süße des Rhabarbers und dem gewünschten Alkoholgehalt liegt der ideale Ansatz zwischen drei und fünf Esslöffeln Sirup auf 750 ml Flüssigkeit. Wer den Sirup ohne Alkohol servieren möchte, kombiniert ihn mit stark gekühltem Mineralwasser und einem Zweig frischer Zitronenmelisse oder Minze aus dem Garten — das ergibt einen der überzeugendsten alkoholfreien Frühlingsdrinks der Saison.
Getränkeempfehlungen zur Pfingstbowle
Der Rhabarbersirup vereint ausgeprägete Fruchtsäure mit einer zurückhaltenden Süße — der ideale Gegenpart ist daher ein Begleiter mit Perlage und eigenem Aromenprofil, der die Frische trägt, ohne sie zu erschlagen.
Als alkoholische Basis empfiehlt sich ein trockener Sekt aus deutschen Anbaugebieten, etwa ein Riesling-Sekt aus dem Rheingau oder der Mosel: seine lebendige Säure und die leichten Zitrus- und Steinobstaromen verbinden sich schlüssig mit der Rhabarbernote. Alternativ funktioniert ein leichter Prosecco DOC aus dem Veneto, dessen milder Apfelduft die Süße des Sirups angenehm einrahmt. Wer komplett ohne Alkohol auskommt, setzt auf hochwertiges Tonic Water mit wenig Eigengeschmack und garniert mit einem Streifen frischer Gurkenschale.
Wissenswertes über Rhabarber
Rhabarber gilt botanisch als Gemüse, wird in der Küche aber seit dem 18. Jahrhundert wie ein Obst behandelt — vor allem in Mitteleuropa, wo er zu einem der verlässlichsten Frühlingszeichen wurde. Ursprünglich aus Zentralasien stammend, gelangte die Pflanze zunächst als Heilkraut nach Europa, bevor man ihre kulinarische Eignung entdeckte. Die traditionelle Erntezeit läuft bis zum 24. Juni, dem Johannistag — danach gilt Rhabarber als zu oxalsäurereich für den Genuss, auch wenn dieser Richtwert heute mehr Tradition als strenge Regel ist.
In der deutschen Küche dominieren Rhabarberkuchen und -kompott; in Großbritannien ist Rhubarb Crumble ein Klassiker, in Skandinavien wird Rhabarber für Getränke, Grützen und Soßen zu Fleischgerichten eingesetzt. Der Sirup als Bowlenbasis ist eine jüngere Entwicklung, die von der Craft-Drinks-Bewegung aufgegriffen wurde: Hausgemachte Sirupe für Cocktails und alkoholfreie Longdrinks erlebten in den letzten Jahren einen deutlichen Aufschwung auf deutschen Wochenmärkten und in der Gastronomie.
Nährwerte (pro 20 ml Sirup, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Energie | ~52 kcal |
| Kohlenhydrate | ~13 g |
| davon Zucker | ~13 g |
| Fett | ~0 g |
| Eiweiß | ~0,1 g |
| Ballaststoffe | ~0,2 g |
Häufige Fragen
Warum wird der Sirup trüb statt klar und leuchtendrosa?
Trübung entsteht meist durch zu starkes Drücken des Fruchtmarks beim Abseihen oder durch grünstielige Rhabarbersorten. Für maximale Klarheit und intensive Farbe ausschließlich rotstielige Stangen verwenden und das Mark beim Abseihen nur leicht andrücken. Ein zusätzlicher Durchlauf durch einen Kaffeefilter schafft bei Bedarf vollständige Klarheit.
Wie lange ist der Sirup haltbar, und woran erkenne ich, ob er verdorben ist?
Kühl und in sauber sterilisierten, fest verschlossenen Flaschen gelagert hält der Sirup bis zu vier Wochen. Anzeichen für Verderb sind Trübung, die sich nach dem Schütteln nicht auflöst, Schaumbildung beim Öffnen oder ein gäriger, alkoholischer Geruch. Sobald eines dieser Zeichen auftritt, den Sirup entsorgen.
Kann ich den Sirup einfrieren, um ihn länger haltbar zu machen?
Ja, Rhabarbersirup lässt sich ausgezeichnet einfrieren — am besten in Eiswürfelbehältern portioniert, damit kleine Mengen ohne Auftauen des gesamten Vorrats entnommen werden können. Eingefroren hält er mehrere Monate. Zum Auftauen einfach über Nacht in den Kühlschrank stellen; die Konsistenz und das Aroma bleiben dabei vollständig erhalten.
Welche Zuckermenge ist richtig — kann ich Zucker reduzieren oder ersetzen?
Das Verhältnis von ~300 g Zucker auf 500 g Rhabarber ergibt einen ausgewogenen Sirup mit guter Haltbarkeit. Wer weniger Süße möchte, kann auf 200 g reduzieren, nimmt dabei aber eine kürzere Haltbarkeit von etwa zwei Wochen in Kauf, da Zucker als natürliches Konservierungsmittel wirkt. Rohrzucker gibt dem Sirup eine leicht karamellige Note; Agavendicksaft oder Honig sind möglich, verändern jedoch Farbe und Aroma spürbar.
Welche anderen Bowlenrezepte funktionieren mit diesem Sirup?
Der Sirup passt hervorragend in eine Weißweinbowle mit trockenem Grauburgunder und frischen Erdbeerscheiben, in eine Aperol-Bowle als Ersatz für Orangensaft sowie in einen alkoholfreien Cocktail aus Sirup, Tonic Water und frisch gepresstem Blutorangensaft. Für ein unerwartetes Ergebnis: einen Teelöffel in warmen Schwarztee geben — die Kombination aus Tannin und Rhabarbersäure ist überraschend stimmig.



