Der Rhabarber steht gerade in voller Pracht — seine leuchtend roten Stängel füllen die Wochenmärkte, scharf-säuerlich und unverkennbar frisch. Pfingstmontag ist kein gewöhnlicher Morgen: Der lange Feiertag lädt dazu ein, das Frühstück zu etwas Besonderem zu machen, ohne dass die halbe Nacht vorher in der Küche verbracht werden muss. Ein geflochtener Hefezopf mit einer würzig-süßen Rhabarberfüllung verbindet genau das, was dieser Frühling zu bieten hat — Zartheit, Säure, Wärme.
Dieser Hefezopf ist bewusst für Einsteiger konzipiert. Der Teig ist nachsichtig, die Füllung unkompliziert, und das Ergebnis ist ein goldbraun gebackener Zopf mit einer zart karamellisierten Kruste und einem saftig-fruchtigen Kern, der beim Aufschneiden den ganzen Rhabarberduft entfaltet. Wer sich bisher vor Hefegebäck gescheut hat, wird hier merken, dass die Kunst vor allem in Geduld liegt — nicht in Technik. Also: Schürze binden, Hefe bereitstellen, und den Pfingstmorgen einläuten.
| Vorbereitung | 35 Min. |
| Ruhezeit | 90 Min. |
| Backzeit | 30–35 Min. |
| Portionen | 8–10 Personen |
| Schwierigkeitsgrad | Einfach |
| Kosten | € |
| Saison | Rhabarber (April–Juni), Pfingstzeit |
Geeignet für: Vegetarisch
Zutaten
Für den Hefeteig
- 500 g Weizenmehl Type 550
- 1 Päckchen (7 g) Trockenhefe
- 80 g Zucker
- 1 Prise Salz
- 250 ml Vollmilch, lauwarm
- 80 g Butter, weich, in Würfeln
- 2 Eier, Größe M, zimmerwarm
- 1 TL Vanilleextrakt
- 1 TL fein abgeriebene Zitronenschale (Bio)
Für die Rhabarberfüllung
- 400 g Rhabarber, geputzt und in 1 cm Stücke geschnitten
- 80 g Zucker
- 1 TL Speisestärke
- ½ TL gemahlene Vanille
- 1 Prise Kardamom, gemahlen
Zum Bestreichen
- 1 Eigelb
- 2 EL Vollmilch
- 2 EL Hagelzucker (optional)
Ustensilien
- Küchenmaschine mit Knethaken oder Hände zum Kneten
- Große Schüssel
- Kleine Stielpfanne
- Backblech, mit Backpapier ausgelegt
- Nudelholz
- Scharfes Messer oder Teigschaber
- Pinsel zum Bestreichen
- Küchentuch (leicht angefeuchtet)
Zubereitung
1. Den Vorteig ansetzten — die Hefe wecken
Die lauwarme Milch in eine große Schüssel geben — sie soll zwischen 35 °C und 38 °C warm sein, also angenehm handwarm, nicht heiß. Zu heiße Flüssigkeit tötet die Hefe ab, zu kalte verzögert ihre Aktivität erheblich. Die Trockenhefe und einen Teelöffel des abgemessenen Zuckers einrühren und alles etwa 10 Minuten stehen lassen. Die Oberfläche sollte sich leicht schaumig-blasig verändern — das ist das Zeichen, dass die Hefe aktiv ist und der Teig später gut aufgehen wird. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, gibt noch einen Esslöffel Mehl dazu, das beschleunigt den Prozess minimal.
2. Den Hefeteig kneten — Geduld zahlt sich aus
Das Mehl mit dem restlichen Zucker, dem Salz, der Zitronenschale und dem Vanilleextrakt in die Schüssel der Küchenmaschine geben. Die Hefe-Milch-Mischung sowie die Eier hinzufügen und alles mit dem Knethaken zunächst auf niedriger Stufe zu einem Teig verbinden. Sobald sich die Masse zusammengefunden hat, die weiche Butter in mehreren Portionen nach und nach hinzugeben — nie alles auf einmal, denn der Teig braucht Zeit, sie vollständig aufzunehmen. Anschließend 8–10 Minuten auf mittlerer Stufe kneten, bis der Teig glatt, elastisch und leicht glänzend ist und sich sauber vom Schüsselrand löst. Das Fenstertest-Prinzip hilft dabei: Ein kleines Teigstück zwischen den Fingern auseinanderziehen — lässt es sich hauchdünn dehnen, ohne zu reißen, ist der Teig ausreichend geknetet.
3. Erste Gehzeit — den Teig ruhen lassen
Den Teig zu einer glatten Kugel formen, zurück in die Schüssel legen und mit einem leicht angefeuchteten Küchentuch abdecken. An einem warmen, zugfreien Ort — zum Beispiel im ausgeschalteten Backofen mit eingeschaltetem Licht — für 60 Minuten gehen lassen, bis sich das Volumen deutlich vergrößert hat, am besten verdoppelt. Das ist keine exakte Wissenschaft: Ein kühleres Zimmer braucht mehr Zeit, das ist völlig in Ordnung.
4. Die Rhabarberfüllung vorbereiten
Während der Teig ruht, den Rhabarber putzen, die harten Enden und die Blätter entfernen — diese sind nicht zum Verzehr geeignet. Die Stängel in etwa 1 cm kleine Stücke schneiden. In einer kleinen Stielpfanne den Zucker bei mittlerer Hitze schmelzen lassen, den Rhabarber hinzugeben und unter gelegentlichem Rühren 4–5 Minuten köcheln, bis er leicht weich wird, aber noch seine Struktur behält. Die Speisestärke mit einem Esslöffel kaltem Wasser verrühren und einrühren — sie bindet die austretende Flüssigkeit und verhindert, dass die Füllung den Teig aufweicht. Mit Vanille und Kardamom abschmecken. Die Mischung vollständig abkühlen lassen, bevor sie auf den Teig kommt.
5. Den Zopf formen — kein Grund zur Nervosität
Den aufgegangenen Teig auf einer leicht bemehlten Arbeitsfläche kurz durchkneten, um die Luft zu entweichen. Mit dem Nudelholz zu einem Rechteck von etwa 40 × 30 cm ausrollen — die Dicke soll gleichmäßig sein, rund 0,5 cm. Die Rhabarberfüllung gleichmäßig darauf verteilen, dabei einen 2 cm breiten Rand rundherum frei lassen. Den Teig der Länge nach eng aufrollen, wie bei einer Schneckenrolle. Die entstandene Rolle mittig der Länge nach mit einem scharfen Messer durchschneiden, sodass zwei lange Stränge entstehen, die Schnittseite zeigt nach oben. Die beiden Stränge locker miteinander flechten — also abwechselnd übereinanderlegen — die Enden gut zusammendrücken. Den Zopf auf das vorbereitete Backblech legen.
6. Zweite Gehzeit und Backen
Den geformten Zopf erneut mit dem Tuch abdecken und für 30 Minuten gehen lassen. In dieser Zeit den Backofen auf 180 °C Ober-/Unterhitze vorheizen. Das Eigelb mit der Milch verquirlen und den Zopf damit gleichmäßig bepinseln — das sorgt für die charakteristische goldbraune, glänzende Kruste. Wer möchte, bestreut ihn noch mit Hagelzucker, das gibt einen angenehm knusprigen Biss. Den Zopf auf der mittleren Schiene 30–35 Minuten backen, bis er tief goldfarben ist und hohl klingt, wenn man auf die Unterseite klopft. Auf einem Gitter vollständig auskühlen lassen — oder zumindest so lange, bis er sich anfassen lässt, ohne die Finger zu verbrennen.
Mein Tipp für die Küche
Den Hefezopf kann man hervorragend am Vorabend vorbereiten: Teig nach dem ersten Gehen formen, den Zopf abgedeckt über Nacht in den Kühlschrank stellen. Am Pfingstmontagmorgen einfach 30–45 Minuten bei Raumtemperatur akklimatisieren lassen, bestreichen und direkt backen. So riecht der Feiertag bereits beim Aufstehen nach frisch gebackenem Hefegebäck. Wer kein Rhabarber findet oder eine mildere Variante bevorzugt, kombiniert Rhabarber mit Erdbeeren — die ersten Exemplare des Jahres sind im Mai bereits auf dem Markt und mildern die Säure auf natürliche Weise.
Getränkeempfehlungen zum Frühstück
Ein gefüllter Hefezopf mit der feinen Säure von Rhabarber und der Wärme von Kardamom braucht Begleitung, die nicht konkurriert, sondern ergänzt — leicht, frisch, mit einem Hauch Süße.
Ein milder Assam-Tee mit Milch bringt die runde Buttrigkeit des Teigs zur Geltung, ohne die Fruchtnoten zu überdecken. Ein Filterkaffee aus heller Röstung — mit seinen Noten von Zitrusfrucht und rotem Apfel — spiegelt die Säurestruktur des Rhabarbers auf schöne Weise. Für eine festliche Note zum Pfingstbrunch: ein leicht gekühlter Prosecco Rosé, dessen Perlage die Textur des Teigs wunderbar kontrastiert.
Wissenswertes über Hefezopf und Rhabarber
Der geflochtene Hefezopf — auch Striezel, Zupfbrot oder Osterzopf je nach Region — gehört zur deutschen und österreichischen Backtradition seit dem Mittelalter. Ursprünglich war er an Feiertagen vorbehalten, als Mehl und Butter noch kostbare Zutaten waren. Der Zopf als Flechtform war dabei kein reines Zufall: Die Verflechtung symbolisierte Verbundenheit und sollte Glück bringen. Heute ist er das unkomplizierteste Festtagsgebäck, das die deutschsprachige Küche kennt.
Rhabarber hingegen ist botanisch gesehen ein Gemüse, wird aber ausschließlich süß verarbeitet. Seinen Siegeszug in deutschen Küchen trat er im 19. Jahrhundert an, als Zucker für breitere Bevölkerungsschichten erschwinglich wurde und die Säure des Rhabarbers erstmals durch Süßung genießbar gemacht werden konnte. Die Saison ist kurz — von April bis spätestens Ende Juni, denn nach der Sommersonnenwende steigen die Oxalsäurewerte in den Stängeln deutlich an. Pfingsten fällt damit genau in den Höhepunkt der Rhabarbersaison.
Nährwertangaben (pro Portion, Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~310 kcal |
| Eiweiß | ~7 g |
| Kohlenhydrate | ~52 g |
| davon Zucker | ~18 g |
| Fett | ~9 g |
| Ballaststoffe | ~2 g |
Häufige Fragen
Kann ich den Zopf am Vorabend vorbereiten?
Ja, das ist sogar empfehlenswert. Nach dem Formen kann der Zopf abgedeckt über Nacht im Kühlschrank aufbewahrt werden. Die Kälte verlangsamt die Hefe, sodass der Teig langsam und gleichmäßig geht — das entwickelt zusätzlich Geschmack. Am nächsten Morgen den Zopf 30–45 Minuten bei Raumtemperatur stehen lassen, dann bestreichen und wie angegeben backen.
Wie lange ist der Hefezopf haltbar?
Am besten schmeckt er frisch, noch leicht warm oder am selben Tag. In einem gut verschlossenen Brotbeutel oder einer Dose hält er sich bei Raumtemperatur bis zu 2 Tage. Alternativ lässt er sich portionsweise einfrieren und bei Raumtemperatur auftauen — kurz im Ofen bei 150 °C für 5 Minuten aufgewärmt, schmeckt er wieder wie frisch gebacken.
Was tun, wenn der Teig nicht aufgeht?
Meistens liegt das an der Temperatur der Milch — war sie zu heiß, ist die Hefe abgestorben. Kontrollieren, ob die Hefe noch ein Verfallsdatum in der Zukunft hat, und ob der Ansatz nach 10 Minuten tatsächlich schäumt. Einen neuen Ansatz mit frischer, handwarmer Milch machen und erst dann mit dem Mehl weitermachen. Auch ein zu kühles Zimmer kann die Gehzeit verlängern — Geduld hilft mehr als Panik.
Welche Varianten der Füllung sind möglich?
Die Rhabarberfüllung lässt sich gut mit Erdbeeren oder Himbeeren kombinieren, die im Mai und Juni Saison haben und die Säure abmildern. Wer keinen Rhabarber mag, kann auch eine klassische Mohnfüllung oder Zimtzucker mit Aprikosenstücken verwenden. Für eine festlichere Version: Frischkäse mit Vanille als Unterlage unter die Rhabarberfüllung streichen — das ergibt eine cremige, leicht säuerliche Schicht, die an Käsekuchen erinnert.
Kann ich frische Hefe statt Trockenhefe verwenden?
Ja, frische Hefe funktioniert hier ausgezeichnet. Ein Päckchen Trockenhefe (7 g) entspricht etwa 21 g frischer Hefe. Die frische Hefe direkt in die lauwarme Milch bröseln, mit etwas Zucker verrühren und genauso vorgehen wie beschrieben. Frische Hefe reagiert tendenziell etwas schneller, was die Gehzeit minimal verkürzen kann.



