Mit den ersten warmen Abenden im Juni steigt der Hunger auf Gegrilltes – und damit auch die Frage, die sich jede Grillsaison von Neuem stellt: Lohnt sich die teure Marken-Grillkohle wirklich, oder tut es die günstige Eigenmarke aus dem Discounter genauso gut? Verbrauchertests, die kurz vor der Hochsaison durchgeführt werden, liefern regelmäßig überraschende Antworten. Wer bisher reflexartig zum Premiumbeutel griff, sollte zweimal hinschauen.
Die Ergebnisse solcher Vergleichstests zeigen ein Muster, das sich Jahr für Jahr wiederholt: Teure Kohle brennt nicht automatisch länger, produziert nicht unbedingt weniger Rauch und erreicht die Grilltemperatur oft nicht schneller als ihr günstiges Pendant. Woran das liegt, was die Unterschiede tatsächlich ausmacht – und wie man beim nächsten Einkauf die richtige Wahl trifft, darum geht es in diesem Dossier.
Was Grillkohle-Tests tatsächlich messen
Seriöse Vergleichstests untersuchen Grillkohle nach mehreren objektiven Kriterien: die Anheizzeit (wie schnell erreicht die Kohle Grilltemperatur), die Brenndauer (wie lange hält die Glut auf einem nutzbaren Temperaturniveau), die Temperaturkonstanz (wie gleichmäßig bleibt die Hitze über die Zeit) sowie die Menge an Rauch und Funken. Dazu kommen Laboranalysen, die auf Schadstoffe wie polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) prüfen – Verbindungen, die beim Verbrennen entstehen können und als gesundheitlich bedenklich gelten.
Das ernüchternde Ergebnis vieler Testzyklen: Bei Brenndauer und Temperaturkonstanz liegen Eigenmarken häufig gleichauf mit Produkten, die drei- bis viermal so viel kosten. Ein Preisunterschied von 2 € bis über 8 € pro Kilogramm spiegelt sich in der Grillpraxis selten wider. Was sich hingegen unterscheidet, sind Stückigkeit, Staubanteil im Beutel und gelegentlich der Schadstoffgehalt – Punkte, bei denen teure Marken nicht immer die Nase vorn haben.
Warum der Preis kein verlässlicher Qualitätsindikator ist
Grillkohle – genauer: Holzkohle im klassischen Sinne – wird durch Pyrolyse hergestellt, also durch Verbrennen von Holz unter Sauerstoffausschluss. Die Qualität des Endprodukts hängt vor allem von der Holzart, der Pyrolysetemperatur und der Stückgröße ab. Diese Parameter werden von der Markenführung eines Produkts kaum beeinflusst. Viele Handelsmarken und Eigenmarken beziehen ihre Kohle aus denselben Produktionsregionen – häufig Osteuropa, Polen oder Nigeria – wie die namhaften Hersteller. Ob auf dem Beutel ein bekanntes Logo steht, sagt folglich wenig über den Inhalt aus.
Hinzu kommt, dass Marketingversprechen auf der Verpackung – „längere Brenndauer", „gleichmäßige Hitze", „ideal für Steaks" – rechtlich kaum standardisiert sind. Es gibt kein einheitliches europäisches Zertifizierungssystem, das diese Angaben belegt. Der Verbraucher kann sich also nur auf unabhängige Tests stützen, nicht auf die Angaben des Herstellers selbst.
Holzkohle vs. Holzkohlebriketts: ein oft vergessener Unterschied
Wer Grillkohle kauft, sollte zunächst zwischen zwei grundlegend verschiedenen Produkten unterscheiden. Holzkohle besteht aus unregelmäßigen Stücken verkohlten Holzes: Sie heizt schnell an – oft in 20 bis 30 Minuten – erreicht hohe Temperaturen und eignet sich besonders für kurze, intensive Grillsessions wie Steaks oder Würstchen. Holzkohlebriketts hingegen bestehen aus gepresstem Kohlestaub, oft mit einem Bindemittel. Sie brauchen länger zum Anheizen – bis zu 45 Minuten –, brennen dafür deutlich länger und gleichmäßiger, was sie ideal für langes indirektes Grillen oder große Grillabende macht.
In Tests zeigt sich, dass die Preisunterschiede bei Briketts noch schwerer zu rechtfertigen sind als bei Holzkohle, da die Herstellung stärker standardisiert ist. Eine günstige Eigenmarke-Brikett hält häufig 2 bis 3 Stunden durch – genauso lang wie die teuren Varianten aus dem Fachhandel.
Was tatsächlich einen Unterschied macht
Statt auf den Preis zu schauen, lohnt es sich, auf folgende Merkmale zu achten:
- Stückgröße und Homogenität: Gleichmäßig große Stücke verbrennen gleichmäßiger. Ein hoher Feinanteil im Beutel ist ein schlechtes Zeichen – er brennt schnell weg und produziert viel Asche.
- Zertifizierungen: Das FSC-Siegel (Forest Stewardship Council) oder das DIN EN 1860-2-Prüfzeichen sind Hinweise auf nachhaltige Herkunft und definierte Mindestqualität.
- Herkunftsangabe: Kohle aus europäischen Wäldern mit Nachhaltigkeitsnachweis ist ökologisch vorzuziehen, da langer Transportweg und Abholzungsproblematik bei manchen Importkohlen dokumentiert sind.
- Verpackungszustand: Feuchte Kohle – erkennbar an schwerer, kompakter Verpackung – heizt schlecht an und qualmt stark.
Das Ergebnis in der Praxis: Was Tester empfehlen
Unabhängige Verbrauchertests, wie sie Organisationen im deutschsprachigen Raum regelmäßig vor der Grillsaison durchführen, vergeben ihre besten Bewertungen auffällig oft an Produkte aus dem mittleren Preissegment oder an Discounter-Eigenmarken mit DIN-Zertifizierung. Premiumprodukte schneiden zwar selten schlecht ab – aber eben auch selten besser als die günstigere Konkurrenz. Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass jede Billigkohle empfehlenswert ist: Produkte ohne Herkunftsnachweis, ohne Zertifizierung und mit hohem Staubanteil fallen in Tests mitunter durch – unabhängig vom Preis.
Wer auf Nummer sicher gehen will, wählt eine zertifizierte Eigenmarke eines großen Lebensmitteleinzelhändlers oder Discounters, achtet auf das DIN-Prüfzeichen und kauft den Beutel trocken gelagert ein. Für lange Grillabende im Sommerabend-Modus bieten sich Briketts an, für spontane Grillabende mit wenigen Gästen reicht gute Holzkohle aus dem Supermarkt vollkommen aus.
Nachhaltigkeit: der Aspekt, den der Preis am ehesten widerspiegeln könnte
Wenn sich ein höherer Preis rechtfertigen lässt, dann am ehesten über nachhaltige Herkunft. Grillkohle aus illegaler Rodung – ein Problem, das vor allem bei nigerianischer und kongolesischer Importkohle dokumentiert ist – ist ökologisch nicht vertretbar, unabhängig davon, ob sie gut oder schlecht brennt. Kohle mit FSC-Zertifizierung oder aus deutschen beziehungsweise österreichischen Wäldern kostet mehr – und das aus einem nachvollziehbaren Grund. Hier lohnt sich die Mehrausgabe tatsächlich, auch wenn die Grillleistung identisch bleibt.
„Der ökologische Fußabdruck einer Grillsaison hängt weniger von der Grillmethode ab als von der Herkunft der verwendeten Kohle." — sinngemäß aus mehreren Umweltorganisations-Berichten der letzten Jahre
Fazit vor der Grillsaison
Die Botschaft der Tests ist klar: Wer mehr bezahlt, glüht nicht länger. Die Brenndauer wird durch Holzart, Stückgröße und Verarbeitungsqualität bestimmt – nicht durch das Markenlogo. Wer dennoch bewusst zur teureren Kohle greifen möchte, tut gut daran, auf Zertifizierungen und Herkunftsangaben zu achten statt auf Hochglanzversprechen auf der Packung. So wird der erste Grillabend des Sommers nicht nur heiß, sondern auch ehrlich.
Häufige Fragen zur Grillkohle
Wie erkenne ich gute Grillkohle beim Kauf?
Achten Sie auf gleichmäßig große Stücke, wenig Feinkohle am Beutelgrund und ein Prüfzeichen wie DIN EN 1860-2. Ein FSC-Siegel oder eine Herkunftsangabe aus Europa sind weitere verlässliche Hinweise. Kaufen Sie Kohle stets trocken – ein feuchter, schwer wirkender Beutel deutet auf schlechte Lagerung hin, was die Brenneigenschaften erheblich verschlechtert.
Was ist der Unterschied zwischen Holzkohle und Briketts?
Holzkohle heizt schnell an (etwa 20–30 Minuten), erreicht sehr hohe Temperaturen und eignet sich für kurzes, intensives Grillen. Briketts bestehen aus gepresstem Kohlestaub, brauchen länger zum Glühen (bis zu 45 Minuten), halten aber deutlich länger durch – ideal für große Grillrunden oder indirektes Garen bei niedrigen Temperaturen.
Ist teure Markenkohle wirklich besser?
In unabhängigen Tests schneiden teure Markenprodukte bei Brenndauer und Temperaturkonstanz häufig nicht besser ab als günstige Eigenmarken mit Zertifizierung. Der Preisunterschied lässt sich am ehesten durch nachhaltige Herkunft rechtfertigen – nicht durch überlegene Grillleistung. Eine DIN-zertifizierte Discounterkohle ist für die meisten Grillsituationen vollkommen ausreichend.
Wie viel Grillkohle brauche ich für einen Grillabend?
Als Faustregel gilt: etwa 1 kg Holzkohle pro Stunde für einen Standard-Kugelgrill mit 57 cm Durchmesser bei mittlerer Belegung. Bei Briketts reichen oft 800 g bis 1 kg für zwei bis drei Stunden. Wer länger oder mit einem großen Grillgerät arbeitet, sollte entsprechend mehr einplanen und niemals Kohle direkt nachlegen – stets erst die neuen Stücke in einem Anzündkamin vorglühen lassen.
Welche Schadstoffe können in Grillkohle enthalten sein?
Grillkohle kann polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthalten, die beim Verbrennen entstehen. Besonders kritisch wird es, wenn Kohle aus nicht zertifizierten Quellen stammt oder mit Fremdmaterialien versetzt ist. Tests zeigen, dass Schadstoffwerte nicht zwingend mit dem Preis korrelieren: Manche günstige Produkte liegen im Normbereich, manche teurere überschreiten Grenzwerte. Ein DIN-Prüfzeichen bietet hier die verlässlichste Orientierung.



