Ende Mai bricht die Spargelzeit in ihre letzte, intensivste Phase ein. Die Stangen sind fester, aromatischer, fast schon konzentriert in ihrem Geschmack – und genau jetzt lohnt es sich, beide Sorten auf den Tisch zu bringen: den weißen Spargel, erdnah und mild, und den grünen, der die Sonnenreife des Frühlings in sich trägt. Wer die beiden kombiniert, bekommt nicht nur einen optisch beeindruckenden Teller, sondern auch ein echtes Aromenspektrum – bitter, süßlich, frisch, mit einem Hauch Mineralität.
Dieser Salat ist kein Beilagenkompromiss. Er denkt den Spargel weiter: kross ausgelassene Serrano-Schinkenchips ersetzen die klassische Sauce hollandaise durch etwas Knackiges, Würziges, Salziges – und die Kalamata-Oliven bringen eine mediterrane Tiefe mit, die den deutschen Frühling aufregend macht. Die Zubereitung dauert keine halbe Stunde, verlangt aber Aufmerksamkeit bei jedem Schritt. Binden Sie die Schürze, und los.
| Vorbereitung | 15 Min. |
| Garzeit | 10–12 Min. |
| Portionen | 4 Personen |
| Schwierigkeit | Mittel |
| Kosten | €€ |
| Saison | Weißer Spargel, grüner Spargel, Frühlingskräuter |
Geeignet für: Glutenfrei · Ohne Laktose · Proteinreich
Zutaten
Für den Spargel
- 500 g weißer Spargel, frisch, fest, möglichst gleichmäßig dick
- 500 g grüner Spargel, die holzigen Enden gebrochen, nicht geschnitten
- 1 TL Zucker
- 1 TL Salz
- 1 EL Butter (zum Blanchieren)
Für die Schinkenchips
- 8 Scheiben Serrano-Schinken, hauchdünn aufgeschnitten
- 1 TL Olivenöl
Für das Dressing
- 80 ml hochwertiges Olivenöl extra vergine
- 2 EL Weißweinessig
- 1 TL Dijonsenf
- 1 TL Honig
- Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer
Für die Vollendung
- 80 g Kalamata-Oliven, entsteint und halbiert
- ½ Bund frischer Schnittlauch, fein gerollt
- etwas Zitronenschale, fein abgerieben, unbehandelt
- einige Blätter frischer Estragon (optional)
Küchenutensilien
- Großer Kochtopf zum Blanchieren
- Schüssel mit Eiswasser
- Beschichtete oder Gusseisenpfanne
- Sparschäler
- Schneidebrett
- Kleines Schraubglas oder Schüssel für das Dressing
- Zange oder Schöpflöffel
- Backblech mit Backpapier (alternativ für den Ofen)
Zubereitung
1. Den weißen Spargel schälen und vorbereiten
Den weißen Spargel von oben nach unten schälen – immer von der Spitze Richtung Ende, um die empfindlichen Köpfe zu schonen. Die Schalen nicht wegwerfen: Wer Zeit hat, kann daraus einen schnellen Spargelfond kochen, der als Basis für ein späteres Süppchen dient. Die holzigen Enden werden großzügig abgeschnitten, mindestens zwei Zentimeter. Weißer Spargel ist dicker als grüner und braucht mehr Hitze, mehr Geduld – das ist der erste wesentliche Unterschied, den man beim Garen im Kopf behalten muss. Die Stangen in gleichmäßige Stücke von etwa fünf Zentimetern schneiden, damit sie später im Salat gut zu handhaben sind.
2. Blanchierbad vorbereiten und Spargel bissfest garen
Einen großen Topf mit reichlich Wasser aufsetzen und zum Kochen bringen. Salz, Zucker und Butter zugeben – der Zucker mildert die leichte Bitterkeit des weißen Spargels, die Butter gibt ihm einen seidigen Glanz und Geschmack. Den weißen Spargel zuerst ins kochende Wasser geben, da er länger braucht: 7–8 Minuten für eine mittlere Bissfestigkeit, die man mit einer Messerspitze prüft – der Spargel soll leicht nachgeben, aber keinesfalls mehlig werden. Mit einer Zange herausheben und sofort ins Eiswasser tauchen. Dieses Abschrecken stoppt den Garprozess schlagartig und erhält die weiße Farbe. Den grünen Spargel ebenfalls blanchieren, allerdings nur 3–4 Minuten – er bleibt knackiger, und sein lebhaftes Grün soll satt und leuchtend bleiben.
3. Die Serrano-Schinkenchips ausbraten
Eine Pfanne bei mittlerer bis hoher Hitze trocken erhitzen – oder nur mit einem Hauch Olivenöl benetzen, da der Serrano genug eigenes Fett mitbringt. Die Schinkenscheiben einzeln und flach einlegen, nicht überlappen. Innerhalb von 2–3 Minuten werden sie knusprig: man hört das Zischen nachlassen, die Scheiben wölben sich leicht, werden randbraun und glänzen nicht mehr feucht. Auf Küchenpapier ablegen. Wer lieber im Ofen arbeitet: 180 °C Umluft, 8–10 Minuten, bis die Chips goldbraun und crisp sind. Nicht zu früh brechen – erst bei Raumtemperatur werden sie wirklich knusprig. Grob in Stücke zerbrechen, kurz vor dem Anrichten.
4. Das Dressing emulgieren
Dijonsenf, Weißweinessig und Honig in ein kleines Schraubglas geben und mit Pfeffer würzen. Das Olivenöl in einem dünnen Strahl zugießen und gleichzeitig kräftig schütteln oder rühren – so entsteht eine stabile Emulsion, die sich nicht sofort trennt und jeden Spargelstab gleichmäßig umhüllt. Abschmecken: Das Dressing soll frisch und leicht sauer sein, mit einer sanften Süße im Abgang. Wer es kräftiger mag, kann einen Spritzer Zitronensaft ergänzen.
5. Den Salat zusammenstellen und anrichten
Den abgetropften, trockengepfupften Spargel – weiß und grün – in einer großen Schüssel mit dem Dressing wenden. Die Kalamata-Oliven unterheben: ihre salzige, leicht harzige Tiefe verbindet sich mit der Frische des Spargels auf eine Weise, die keiner weiteren Säure bedarf. Den Salat auf einer flachen Platte oder in tiefen Tellern anrichten, die Spargelstücke locker, aber mit Bedacht verteilt – kein Haufen, sondern ein Arrangement, das beide Farben zeigt. Die Schinkenchips erst im letzten Moment darüber zerbrechen, damit sie ihre Crunch-Textur behalten. Mit fein geschnittenem Schnittlauch, abgeriebener Zitronenschale und, wer mag, einigen Estragonblättern vollenden.
Mein Küchentipp
Den größten Unterschied macht die Qualität des Spargels selbst. Ende Mai, in den letzten Wochen der Saison, sind die Stangen oft günstig und aromareich – doch prüfen Sie beim Kauf, ob die Schnittflächen noch feucht glänzen und die Spitzen fest geschlossen sind: Das sind die sichersten Zeichen für Frische. Wer Kalamata-Oliven mit dem Stein kauft und sie selbst entsteint, bekommt eine fleischigere, aromatischere Olive als aus dem gläsernen Vorratsglas. Und: Das Dressing kann bis zu zwei Stunden im Voraus zubereitet und im Kühlschrank aufbewahrt werden – vor dem Verwenden einmal kräftig schütteln.
Wein und Spargel – was passt?
Spargel gilt als Weinkiller, doch das stimmt nur für schwere, tannin- und holzreiche Rotweine. Die salzige Würze des Serranos und die Frucht der Kalamata-Oliven öffnen interessante Möglichkeiten.
Ein trockener Grüner Veltliner aus dem Kamptal oder dem Wachau ist die klassische Wahl: sein weißer Pfeffercharakter, die mineralische Frische und die dezente Säure fügen sich nahtlos an den Spargel. Eine burgundische Alternative wäre ein Chablis Premier Cru – kalkig, straff, fast salzig, und damit eine ideale Brücke zu den Oliven. Wer keinen Alkohol möchte: ein prickelndes Mineralwasser mit Zitronenscheibe und frischen Kräutern im Glas ist hier keine Verlegenheitslösung, sondern ein echter Begleiter, der die Frische des Gerichts unterstreicht.
Zur Geschichte dieses Salats
Spargel war in Mitteleuropa jahrhundertelang ein Aristokratengemüse – angebaut auf deutschen und belgischen Feldern für Hofküchen, die ihn mit Butter und Ei feierten. Der weiße Spargel, durch Anhäufeln des Erdreichs im Dunkeln gezogen, gilt bis heute in Deutschland als das Frühlingsgemüse schlechthin; Städte wie Schwetzingen, Beelitz und Nienburg tragen seine Geschichte im Namen. Der grüne Spargel hingegen stammt ursprünglich aus dem Mittelmeerraum und erlebt seit den 1990er Jahren eine wachsende Beliebtheit in Deutschland, weil er weniger Arbeit beim Vorbereiten verlangt und aromatisch intensiver ist.
Die Verbindung mit Serrano-Schinken ist eine Anleihe aus der spanischen Tapas-Küche, wo Spargel schon lange mit Jamón serviert wird – allerdings meist warm und eher als Snack. Die Kalamata-Olive, griechischer Herkunft, mit ihrer dunklen, ölreichen Fruchtnote, macht aus diesem Zusammenspiel eine mediterran-mitteleuropäische Begegnung, die kein Klassiker ist, aber das Zeug dazu hätte.
Nährwertangaben (pro Portion, ca. Richtwerte)
| Nährstoff | Menge |
|---|---|
| Kalorien | ~310 kcal |
| Eiweiß | ~18 g |
| Kohlenhydrate | ~10 g |
| davon Zucker | ~6 g |
| Fett | ~22 g |
| Ballaststoffe | ~4 g |
Häufig gestellte Fragen
Kann ich den Salat im Voraus zubereiten?
Den Spargel können Sie bis zu vier Stunden im Voraus blanchieren und im Kühlschrank lagern – abgedeckt, damit er nicht austrocknet. Das Dressing hält sich ebenfalls gut. Die Schinkenchips jedoch erst unmittelbar vor dem Servieren zubereiten und brechen: Sobald sie das Dressing berühren, verlieren sie ihre Knusprigkeit binnen Minuten.
Wie lange sind Reste haltbar?
Der angemachte Salat ist im Kühlschrank bis zum nächsten Tag haltbar, verliert aber durch das Dressing an Knackigkeit und die Chips werden weich. Am besten bewahren Sie Spargel und Dressing getrennt auf und mischen erst beim nächsten Verzehr. Die Schinkenchips sollten frisch zubereitet werden.
Welche Varianten und Substitutionen sind möglich?
Wer keinen Serrano-Schinken verwenden möchte, kann auf hauchdünnen Parmaschinken zurückgreifen oder – für eine vegetarische Variante – Pinienkerne in der Pfanne trocken rösten, die eine ähnliche nussige Crunch-Textur liefern. Anstelle von Kalamata-Oliven eignen sich im Herbst auch eingelegte Steinpilze für eine erdige Note. Wer kein Weißweinessig zur Hand hat, kann milden Apfelessig verwenden – er gibt dem Dressing eine leicht fruchtige Abrundung.
Kann ich gefrorenen Spargel verwenden?
Technisch möglich, aber nicht empfehlenswert für dieses Rezept. Gefrorener Spargel gibt beim Auftauen Wasser ab und wird weich – die Textur, die diesen Salat ausmacht, nämlich der Kontrast zwischen bissfestem Gemüse und knusprigen Chips, geht verloren. Ende Mai sind frische Spargelstangen auf jedem Markt und in vielen Supermärkten zum fairen Preis zu finden: Das ist die richtige Zeit dafür.
Ist der Salat auch als Hauptgericht geeignet?
Durchaus. Wer ihn als vollständige Hauptmahlzeit servieren möchte, kann die Menge der Schinkenchips erhöhen, einige hartgekochte Wachteleier halbiert dazu legen oder ein Stück gegrilltes Hähnchenbrust aufschneiden und daneben anrichten. Als leichtes Mittagsgericht für zwei Personen reicht die angegebene Menge problemlos aus.



