Warum DGE jetzt empfiehlt, im Juni mehr saisonales Gemüse zu essen

Der Juni bringt nicht nur lange Abende und warme Temperaturen — er markiert auch den Moment, in dem das Gemüseangebot auf deutschen Märkten seinen ersten sommerlichen Höhepunkt erreicht. Kohlrabi, Erbsen, Zucchini, Radieschen, Mangold und frische Bohnen stehen jetzt in voller Fülle bereit, und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) macht seit einiger Zeit deutlich, dass genau dieser Zeitpunkt genutzt werden sollte. Wer jetzt saisonal einkauft, profitiert nicht nur geschmacklich, sondern auch ernährungsphysiologisch.

Die Empfehlung der DGE, im Juni verstärkt auf regionales und saisonales Gemüse zu setzen, kommt nicht aus dem Nichts. Sie spiegelt aktuelle Erkenntnisse über Nährstoffverluste durch lange Transportwege, den ökologischen Fußabdruck von Importware und die Qualitätsvorzüge frisch geernteter Lebensmittel wider. Was das konkret bedeutet, welche Gemüsesorten jetzt besonders empfehlenswert sind und wie man die Vorteile im Alltag tatsächlich ausschöpft — das zeigt dieser Artikel.

Was die DGE im Juni empfiehlt — und warum gerade jetzt

Die DGE aktualisiert ihre Ernährungsempfehlungen regelmäßig, um sie an neue wissenschaftliche Befunde anzupassen. Im Rahmen ihrer überarbeiteten Lebensmittelbasierten Ernährungsempfehlungen hebt sie hervor, dass eine pflanzenbetonte Ernährung mit hohem Gemüseanteil nicht nur die Gesundheit fördert, sondern auch klimafreundlicher ist — vorausgesetzt, man greift bevorzugt zu saisonalen und regionalen Produkten. Der Juni eignet sich dafür besonders gut, weil die Erntesaison für viele heimische Gemüsesorten gerade beginnt oder auf ihrem Höhepunkt ist.

Frisch geerntetes Gemüse enthält nachweislich mehr hitzeempfindliche Vitamine wie Vitamin C und Folsäure als Ware, die über Tage oder Wochen transportiert und gelagert wurde. Ein Kohlrabi, der heute morgen auf dem Feld geerntet wurde, hat einen deutlich höheren Nährstoffgehalt als derselbe Kohlrabi, der eine Woche lang im Kühlcontainer aus Spanien gereist ist. Das ist keine Romantisierung des Regionalmarkts — das ist Biochemie.

Die Gemüsesaison im Juni: Was jetzt auf den Teller gehört

Wer im Juni mit offenen Augen über den Wochenmarkt geht, erkennt die Fülle sofort. Die Auswahl ist breiter als in vielen anderen Monaten des Jahres. Einige Sorten verdienen besondere Aufmerksamkeit:

  • Kohlrabi — zart, knackig, roh und gekocht verwendbar; reich an Vitamin C (~62 mg pro 100 g, Werte approximativ)
  • Erbsen — frische Hülsenfrüchte mit hohem Proteingehalt (~5–6 g pro 100 g, Werte approximativ); kurze Erntesaison, die man nicht verpassen sollte
  • Zucchini — kalorienarm, vielseitig, ab Juni heimisch verfügbar; enthält Kalium und Magnesium
  • Radieschen — scharf, wasserreich, verdauungsfördernd; enthält Senföle mit antimikrobieller Wirkung
  • Mangold — unterschätzt, aber nährstoffreich; liefert Eisen, Kalzium und Beta-Carotin
  • Frühkartoffeln — zarte Schale, nussiger Geschmack, kein Vergleich zu Lagerware aus dem Winter
  • Spinat — Frühsommerspinat ist feiner als der bittere Herbstspinат; reich an Folsäure

Die DGE empfiehlt generell, mindestens 400 g Gemüse pro Tag zu sich zu nehmen, aufgeteilt auf mehrere Mahlzeiten. Im Juni ist das angesichts des Angebots einfacher als zu jedem anderen Zeitpunkt im Jahr.

Nährstoffe auf dem Höchststand: Was saisonales Gemüse leistet

GemüseSchlüsselnährstoffUngefährer Gehalt pro 100 g
KohlrabiVitamin C~62 mg
Erbsen (frisch)Protein~5,5 g
MangoldKalzium~103 mg
Spinat (frisch)Folsäure~194 µg
ZucchiniKalium~262 mg
RadieschenSenfölevariabel

Alle Angaben sind Richtwerte und können je nach Anbauweise, Reifegrad und Lagerung variieren.

Besonders die hitzeempfindlichen Vitamine wie Vitamin C und Folsäure bauen sich nach der Ernte schnell ab — bei Raumtemperatur innerhalb von Stunden, bei langen Kühlkettentransporten über Tage. Wer Gemüse direkt vom Marktstand kauft und es noch am selben Tag zubereitet, bekommt tatsächlich mehr aus seinem Essen heraus. Das ist der wissenschaftliche Kern der DGE-Empfehlung: nicht bloße Nähe-Romantik, sondern messbare Nährstoffdichte.

Ökologischer Aspekt: Warum Saisonalität auch klimarelevant ist

Die DGE bezieht in ihre aktualisierten Empfehlungen ausdrücklich Nachhaltigkeitsaspekte ein. Importiertes Gemüse, das außerhalb der Saison nach Deutschland gelangt — Zucchini aus Marokko im Januar, Paprika aus den Niederlanden unter beheizten Gewächshäusern — verursacht einen deutlich höheren CO₂-Fußabdruck als dasselbe Gemüse, das im Sommer regional auf dem Freilandfeld geerntet wird. Der Freilandanbau im Sommer gilt als die klimafreundlichste Form der Gemüseproduktion überhaupt, weil weder Heizenergie noch lange Transportketten notwendig sind.

Das bedeutet: Wer im Juni saisonal einkauft, tut nicht nur seinem Körper etwas Gutes, sondern verhält sich auch ressourcenschonend — ohne auf Komfort oder Vielfalt verzichten zu müssen. Die Auswahl ist im Hochsommer groß genug, um täglich abwechslungsreich zu kochen.

Praktisch umsetzen: Wie man saisonales Gemüse in den Alltag integriert

Die größte Hürde ist selten die Überzeugung — sie ist die Gewohnheit. Wer es gewohnt ist, im Supermarkt zu kaufen, greift zu dem, was gerade im Regal liegt, unabhängig von der Saison. Ein paar praktische Ansätze helfen, die Empfehlung der DGE tatsächlich zu leben:

  • Den nächstgelegenen Wochenmarkt einmal pro Woche fest einplanen — dort ist das Angebot automatisch saisonal
  • Eine Gemüsekiste eines regionalen Erzeugers oder einer solidarischen Landwirtschaft abonnieren; das nimmt die Entscheidungslast und bringt Abwechslung
  • Das Saisonkalender-Prinzip nutzen: Ein einfacher Ausdruck oder eine App zeigt, was wann und wo reif ist
  • Überschüsse einkochen, blanchieren und einfrieren — frische Erbsen im Juni sind im Oktober noch genauso wertvoll
  • Gemüse, das man nicht kennt, bewusst ausprobieren: Mangold, Pak-Choi oder Kohlrabi-Grün sind unterschätzte Sommergemüse mit hohem Nährwert

„Eine pflanzenbasierte Ernährung mit überwiegend saisonalen und regionalen Lebensmitteln verbessert nicht nur die individuelle Gesundheit, sondern trägt auch zur Reduktion ernährungsbedingter Umweltbelastungen bei." — sinngemäß nach DGE-Positionspapier zur nachhaltigen Ernährung

Warum gerade der Juni ein Schlüsselmonat ist

Im Ernährungskalender ist der Juni ein Wendepunkt. Das Frühgemüse aus dem Frühjahr — Spargel, erste Radieschen, junger Spinat — geht langsam in Übergang, während die Sommergemüse ihre ersten Hochphasen erreichen. Kohlrabi und Erbsen sind auf dem Zenit ihrer Saison, Zucchini und Bohnen beginnen gerade zu tragen. Es ist der Monat, in dem das Angebot am diversifiziertesten ist und gleichzeitig die Nährstoffdichte am höchsten, weil alles unter optimalen Bedingungen herangewachsen ist — lange Sonnentage, ausreichend Wärme, kurze Wege vom Feld zum Markt.

Wer diese wenigen Wochen nutzt, legt nicht nur die Grundlage für eine abwechslungsreiche Sommerküche. Er oder sie profitiert von einem Ernährungsfenster, das so nur einmal im Jahr geöffnet ist — und das die DGE aus gutem Grund ausdrücklich empfiehlt.

Nährstoffübersicht: Saisonales Gemüse im Juni (Richtwerte pro 100 g)

NährstoffKohlrabiFrische ErbsenZucchini
Kalorien~27 kcal~81 kcal~17 kcal
Vitamin C~62 mg~40 mg~17 mg
Ballaststoffe~1,9 g~5,1 g~1,1 g
Protein~1,7 g~5,4 g~1,2 g
Kalium~370 mg~244 mg~262 mg

Alle Angaben sind approximative Richtwerte. Tatsächliche Gehalte können je nach Sorte, Anbaubedingungen und Reifegrad variieren.

Häufige Fragen

Gilt die DGE-Empfehlung nur für frisches Gemüse oder auch für Tiefkühlware?

Tiefkühlgemüse ist eine ernährungsphysiologisch sinnvolle Alternative, wenn frisches Gemüse nicht verfügbar ist. Da Tiefkühlware oft direkt nach der Ernte schockgefrostet wird, sind viele Nährstoffe gut erhalten. Die DGE empfiehlt frisches Saisongemüse vorrangig, schließt aber Tiefkühlware nicht aus — besonders dann, wenn es sich um regionale Produkte aus der Hochsaison handelt, die eingefroren wurden.

Wie erkenne ich auf dem Markt, ob Gemüse wirklich regional und saisonal ist?

Der sicherste Weg ist das direkte Gespräch mit dem Anbieter: Woher kommt das Gemüse, wann wurde es geerntet? Zertifizierte Bio-Märkte und regionale Direktvermarkter müssen die Herkunft ausweisen. Ein praktischer Anhaltspunkt ist auch der Preis: Regionales Saisongemüse ist in der Hochernte häufig günstiger als Importware, weil Transportkosten entfallen. Ein Saisonkalender für Deutschland — zum Beispiel von der DGE oder Verbraucherzentralen — hilft zusätzlich bei der Orientierung.

Wie viel Gemüse pro Tag empfiehlt die DGE konkret?

Die DGE empfiehlt mindestens 400 g Gemüse täglich, idealerweise auf mehrere Mahlzeiten verteilt. Das entspricht beispielsweise einer Portion Rohkost am Mittag (150 g) und zwei Portionen Gemüsebeilage abends (zusammen 250 g). Im Juni ist diese Menge durch die große Auswahl saisonaler Sorten besonders leicht zu erreichen — auch ohne aufwändige Kochvorgänge.

Verliert Gemüse beim Kochen an Nährstoffen?

Ja, insbesondere wasserlösliche Vitamine wie Vitamin C und Folsäure gehen beim Kochen in Wasser teilweise verloren. Empfehlenswert sind schonende Garmethoden wie Dämpfen, kurzes Blanchieren oder Dünsten mit wenig Wasser. Wer das Kochwasser verwendet — etwa in Suppen oder Saucen — holt einen Teil der Nährstoffe zurück. Roh verzehrtes Gemüse wie Kohlrabi oder Radieschen liefert naturgemäß den vollständigsten Nährstoffgehalt.

Ist saisonales Gemüse wirklich günstiger?

In der Regel ja. Wenn Gemüse regional und in großen Mengen geerntet wird, sinken die Erzeuger- und Handelspreise. Im Juni sind Kohlrabi, Erbsen und Radieschen auf deutschen Märkten oft zu sehr niedrigen Preisen erhältlich. Im Vergleich dazu ist Importware, die außerhalb der Saison aus Südeuropa oder Nordafrika bezogen wird, meistens teurer — und liefert dabei weniger Nährstoffe. Saisonales Einkaufen ist also auch ein wirtschaftliches Argument.